Donnerstag, 6. Dezember 2012

netanjahu zu besuch in deutschland

der israelische ministerpräsident benjamin netanjahu ist zur zeit in deutschland. ja, genau der, der zur zeit dauernd in den schlagzeilen steht, aufgrund seiner politik im gazastreifen.
es steht außer frage, dass deutschland aufgrund seiner vergangenheit eine besondere verantwortung gegenüber israel hat. doch es steht auch außer frage, dass wenn man als deutscher etwas gegen israel sagt, wie es beispielsweise günter grass in seinem gedicht "was gesagt werden muss" getan hat, man meistens sofort von allen seiten kritisiert wird.
nun ist es im gaza-konflikt sicher so, dass beide seiten, also palästinenser und israelis, nicht gerade förderlich für einen frieden agiert haben. also muss man eingestehen, dass israel eben auch nicht unschuldig an der politischen lage dort ist. im siedlungsbau seitens israel, mit dem ja vor sehr kurzem abermals begonnen wurde, kann man durchaus eine provokation sehen. und die drohungen seitens netanjahus sind auch nicht zu vernachlässigen. klar, die palästinenser sind keineswegs besser in ihrem handeln. aber eines muss man ihnen lassen: die palästinesische autonomiebehörde hat israel als staat anerkannt. israel hingegen palästina nicht.
eine wie von der un vorgeschlagene zwei-staaten-lösung wird also schwierig.
nun ist es im fall des gaza-konflikts glücklicherweise so, dass man als deutscher zu der seltenen ehre kommt, israel rügen zu dürfen; denn die vereinigten staaten, die un und andere nationen und institutionen haben israel bezüglich des siedlungsbaus kritisiert, deutschland darf dies also auch. bundeskanzlerin angela merkel tat dies ja auch, beim derzeitigen besuch netanjahus. merkel ist außerdem ja auch für eine zwei-staaten-lösung. das wäre ja wahrscheinlich auch die gescheiteste lösung, wenn sich die beiden staaten da mal drauf einigen könnten. es wollen ja angeblich auch beide, doch sie verknüpfen es mit für den jeweils anderen nicht zu akzeptierenden forderungen. kindisch. aber da kann man wohl leider nichts machen.
das verhalten israels ist meiner meinung nach nicht zu verteidigen. einerseits erwarten sie, dass wir deutsche uns um sie kümmern, sie verteidigen, weil früher nazi-zeit und judenprogrome und so. klar. ist ja ok. aber andererseits drohen sie anderen mit krieg, zerbomben den gaza-streifen und töten so zivilisten. das ist zwar ein extremer vergleich, aber letztlich ist es doch schon ziemlich frech, dass das "arme" israel selbst zu waffen greift. man bedenke: israel ist eine der wenigen nationen, die im besitz von atomwaffen ist!
und wie zu anfangs schon erwähnt: den gaza-konflikt einmal ausgenommen, kritik eines deutschen an israel wird selten öffentlich geduldet. ist dies nicht etwas überzogen? ich meine, nur aufgrund von vergangenheit jegliche politik zu dulden, bzw. nicht kritisieren zu dürfen, das ist schon ziemlich heftig.
immerhin: merkel hat netanjahu nicht gerade gelobt und ihn auch nicht verteidigt, eher sogar hat sie ihn getadelt. das ist doch schon mal ein anfang!


16 Kommentare:

  1. Diese ganze Geschichte im nahen Osten ist so lächerlich. Es wirkt für mich beinahe so - OBACHT, HART FORMULIERT, EMPFINDLICHE MENSCHEN BITTE DIE AUGEN SCHLIEßEN - als ob die Israelis ihre Vergangenheit, die leider hauptsächlich durch Verfolgung und Völkermord bestimmt ist, durch eigene Intolleranz, Verfolgungen und Morde verarbeiten müssten.
    Ist man böße, könnte man sagen, sie hätten aus ihrer eigenen Geschichte lernen müssen und sollten jetzt so mit anderen umgehen, wie man damals hätte mit ihnen umgehen sollen. Ist friedliches Zusammenleben denn so schwer?

    Das ganze ist keinesfalls gegen Juden gerichtet. Auch nicht gegen das Volk der Israeliten. Ich bin der Meinung, dass KEIN Land das Recht dazu hat sich so zu benehmen und vor allem noch wegen seiner Vorgeschichte dabei so unterstützt zu werden, wie es Isreal wird.

    Ich sage auch nicht, dass die Palästinenser besser sind. Aber sie sind doch auch zu verstehen. Seit hunderten von Jahren lebten sie im jetzigen Israel und wurden dann plötzlich vertrieben.

    Dass das ganze nicht gut gehen KANN, hätte man schon bei der Gründung Israels bemerken müssen.

    Diese Gegend ist doch letztlich der wichtigste Ort der drei großen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam. Keiner sollte darauf ein besonderes Anrecht haben. Ist es denn so schwer mehrere Religionen in einem Land unterzubringen und gleich zu berechtigen?

    Ein bisschen Tolleranz und Verständnis und diese Welt wäre ein besserer Ort.

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    1. Das Problem ist im nahen Osten die große Ideologisierung der Staatsanerkennung- es geht allein um Ideologie. Der Staat Israel wurde bereits ein Tag! nach seiner Gründung von fünf anderen Staaten angegriffen. Das war ein Schock, trotzdem konnte das völlig unvorbereitete israelische Militär die Angreifer abwehren- Vergeltungsschläge miteingerechnet. Seitdem ist einfach ein hohes Agressionspotenzial da. Israel(natürlich gilt das auch für Palästinenser) fühlt sich bei jeder Kleinigkeit angegriffen und ihr Existenzrecht sehen sie sofort verleugnet. Eine Spirale der Gewalt! Agiert wird nach dem Motto: "Aug um Aug, Zahn um Zahn", was übrigens in der Bibel etwas völlig anderes meint, wie hier verstanden wird- aber das wollen Menschen mit ideologischer Verblendung nicht verstehen.

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  2. da geb ich dir vollkommen recht!

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  3. inhaltlich halt ich mich jetzt mal raus. is mir zu heiß. aber formell, sag mal, die konsequente kleinschreibung...die nervt irgendwie, vor allem bei so sachen wie un und so. und jetzt doch noch mal inhaltlich. der hintergund passt dann jetzt aber nicht zu dem beitrag oder seh ich das falsch.

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    1. zum thema kleinschreibung: diesem prinzip werde ich wohl treu bleiben. in anderen sprachen (z. b. englisch) ist das standard und da regt sich auch keiner auf. also nehme ich mir diese freiheit ;)
      allerdings kann ich zukünftig abkürzungen groß schreiben, wenn erwünscht.
      außerdem finde ich, dass da sehr wohl ein bezug zwischen hintergrund und beitrag ist. aber man könnte ihn als indirekt beschreiben.

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    2. nette verteidiung, ich reg mich übrigens auch bei englisch auf. aber wer bin ich schon?
      wegen mir änder bloß nix.
      den bezug zwischen hintergrund und beitrag beschreib mal.
      direkt.

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    3. mir scheint, sie haben meinen kommentar zu ihrem kommentar als beleidigung aufgefasst. also, falls dies tatsächlich der fall sein sollte, sei ihnen hiermit gesagt, dass er nicht als solche gedacht war.
      zum bezug zwischen hintergrund und beitrag:
      der beitrag handelt von der gaza-politik israels und dem nicht-kritisieren-dürfen-israels seitens eines deutschen. der hintergrund, also der besuch netanjahus in deutschland, ist insofern damit verbunden, dass bundeskanzlerin angela merkel zum einen mit netanjahu über die gaza-politik gesprochen hat, zum anderen netanjahu kritisiert hat.
      ich hätte zum schluss noch eine frage an sie: was genau finden sie an durchgehender kleinschreibung so nervig? ich persönlich bin es aus dem alltag (sms,...)gewohnt, finde also nichts nerviges daran. deshalb ist diese frage durchaus ernst gemeint.

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    4. Quatsch, nein. Das war ernst gemeint, mit Wer bin ich schon und deine Verteidigung war doch plausibel. Ich hab dich schon richtig verstanden!
      Mit dem Hintergrund hast du mich allerdings falsch verstanden, ich meinte die rote Farbe des Hintergrunds als Repräsentant einer bestimmten Politik und deine Einschätzung des Israel-Konflikts. :)
      Die Kleinschreibung nervt mich oft, weil es übergreift auf andere Bereiche und man nicht mehr weiß, ob jemand bewusst klein oder falsch schreibt oder ob er einfach keine Ahnung hat.

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    5. achso, da hab ich sie wohl falsch verstanden. ja, da haben sie recht, zwischen dem hintergrund und beitrag in dem von ihnen gemeinten sinn besteht natürlich nicht wirklich eine beziehung.

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  4. Ist es nicht sogar so, dass sich beide Staaten geeinigt hatten, auch schriftlich, und dann Israel die Palästinenser mit den Siedlungsbauten wieder provoziert hat?

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  5. übrigens: Günter Grass kritisiert Israel nicht!!
    Günter Grass ist ein friedliebender Mensch!
    Günter Grass wurde zwar in die Waffen-SS eingezogen...
    AGER: man weiß nicht inwiefern er von der Enge in der Familie dazu gedrängt wurde, sich mit 15 freiwillig zu melden!
    Günter Grass hat sich, obwohl er politisch der SPD nahe steht und man dadurch eher linke Tendenzen vermuten kann, GEGEN den Mauerbau ausgesprochen!
    So, und jetzt zu seinem Gedicht. Ich fasse mal das zusammen, was ich rauslesen konnte(http://www.sueddeutsche.de/kultur/gedicht-zum-konflikt-zwischen-israel-und-iran-was-gesagt-werden-muss-1.1325809):
    - er warnt vor einem Krieg mit dem Iran; er warnt Israel (eine Warnung ist NIIIEEE schlecht gemeint...)
    - er kritisiert, dass sowohl Israel, als auch der Iran (zumindest potenziell) über Atomwaffen verfügen.
    - er fordert eine internationale Instanz, die das kontrolliert.
    - und zu guter letzt fordert er Deutschland auf, keine U-Boote an Israel zu verkaufen (die als Wiedergutmachung weiterhin getarnt werden), da auch das Waffen sind.
    => Günter Grass ist ein friedlicher Mensch, der Israel liebt und die Verhältnisse nur so darstellt, wie sie von pazifistischen Personen gesehen werden können.
    => Außerdem beweist das Einreiseverbot Israels, dass Gedichte auch im Gegenteil verstanden werden können, und genau DAS ist, gerade bei solchen Themen, die immer anders und falsch gedeutet werden wollen (Extremisten etc. ...), ein großes Problem!!

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    1. "AGER" ist lukasisch und heißt in diesem Zusammenhang "ABER"

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    2. ich habe gar nichts gegen günter grass und sein gedicht. eher im gegenteil. ich bin ähnlicher meinung wie er. dennoch finde ich, dass sein gedicht eine kritik darstellt. du schreibst ja auch selbst, dass er israel bezülich atomwaffen kritisiert.
      und danke für den link zum gedicht :)

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  6. Ein Thema, bei dem es schnell zu Diskussionen kommt. Kernfrage ist für mich das Existenzrecht Israels - und das lehnen die Palästinenserorganisationen und viele Staaten dort unten ab. Solange Israel die Existenz nicht zugestanden wird, kann Israel viele Vorwürfe zu Recht aussitzen.

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    1. das ist durchaus eine kernfrage. aber sollte nicht seitens israel gleiches bezüglich eines palästinenserstaates gelten?

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